Ehrenmal der deutschen Luftwaffe

2. Preis für den Entwurf für das Ehrenmal der deutschen Luftwaffe,
Otto-Lilienthal-Kaserne Roth, 2025

Visualisierung des Entwurfes für das Ehrenmal der deutschen LuftwaffeLeitmotiv
Als der zentrale Ort des Gedenkens dient ein kreisförmiger Platz, leicht erhöht und eingebettet in eine modellierte Wiesenlandschaft. Ein gerader, sich nach oben hin verjüngender Weg bildet die Achse, die vom Mittelpunkt des Antreteplatzes zum Zentrum des Gedenkens reicht. Geschwungene Wege führen hinter den Rundbau zu einem tieferliegenden Bereich. Dort eröffnet sich ein Ort der Stille für das private Gedenken.
Über diesen Gedenkort breitet ein mächtiger Flügel seine Form aus, und legt sich schützend darüber. Zum Antreteplatz hin öffnet er sich in einer Geste der Einladung – aus der Ferne weithin sichtbar, aus der Nähe erlebbar durch ein Spiel aus Schatten, Licht und Durchblicken. Schaut man nach oben, öffnet sich zwischen den Tragstrukturen das Himmelsfeld – fragmentiert, durchbrochen, im Wandel lebendig.
Das Ehrenmal setzt ein skulpturales Zeichen für das individuelle Erinnern, das gemeinschaftliche Gedenken und das stille Verweilen.

Ehrenmal im Zeichen des Flügels
Die etwa 19 m hohe und 25 m breite Tragstruktur in Form eines abstrahierten Flügels, überspannt den Gedenkbereich auf einer auf einer leichten Anhöhe und wendet sich dem Antreteplatz zu. Die Stahlkonstruktion greift das materielle und visuelle Vokabular der Luftfahrt auf. Der Flügel berührt den Boden nur punktuell; sein Schweben verweist auf Schutz, Verantwortung und Auftrieb – zentrale Aspekte des militärischen Dienstes in der Luftwaffe.
Die Konstruktion nimmt Bezug auf die Arbeiten von Hugo Junkers, welcher sowohl im Flugzeugbau als auch im Hallenleichtbau wirkte. Im Fokus stehen Leichtigkeit und Stabilität. Räumlich gekrümmte Stahllamellen bilden ein stabiles Gitter.
Die horizontalen Lamellen sind auf der Rückseite des Flügels wellenförmig verbreitert und modelliert. Dadurch entsteht eine organische und lebendige Zeichnung, die sich je nach Blickwinkel und Standort verändert und ein höchst dynamisches Erscheinungsbild erzeugt.
Die Konstruktion wird digital entworfen, nach Regeln, die auch beim Flugzeugbau eine Rolle spielen,– als bewusster Verweis auf die technologische Kompetenz und Innovationskraft der Luftwaffe. Die Konstruktion folgt geodätischen Linien, dass heisst, den lokal kürzesten Verbindungskurven zwischen zwei Punkten auf einer gekrümmten Fläche. Der Flügel bleibt, bedingt durch seine Bauweise, offen und durchlässig. Durch eine ausgeklügelte Lichtregie, bei der der Flügel nachts von unten angestrahlt wird, kommt das Relief der Konstruktion besonders gut zur Geltung.
Die Beton – Fundamente der Skulptur liegen unsichtbar unter de

Der zentrale Ort des Gedenkens
Der Flügel überspannt die zentrale, zylindrische Plattform, die als statischer Kern den Gedenkort markiert. Der Kreis wird gefasst durch eine leicht geschwungene Mauer im Halbkreis, die als Rückgrat des Gedenkorts fungiert. Die Mauer folgt dem Schwung des Flügels. Auf ihr findet sich die Gedenkformel, die z.B. lauten könnte:„Den Toten unserer Luftwaffe # Ihr seid unvergessen“. Sie bildet den gedanklichen Mittelpunkt. Das Schriftband wird ergänzt mit der Darstellung des Kreuzes der Bundeswehr und Buchstaben, die in Bronze ausgeführt und in den Beton eingelassen sind. Nachts ist die Schrift dezent beleuchtet. Hier können Kränze abgelegt und Zeremonien durchgeführt werden. Diese Anordnung ermöglicht flexible Sitz- und Stehplätze bei klarer Sichtachse auf Fahnenmasten, Ehrenmal und Kranzbereich.

Gedenktafel-Archiv, stille Andacht, Ehrenmal der Luftwaffe

Das Archiv der Erinnerung – Privates Gedenken
Im ruhigen, landschaftlich gefassten Bereich hinter der Mauer des kreisrunden Platzes entsteht ein Ort für das persönliche Gedenken. Der geschwungene Weg dort hin hebt sich ab durch einen Naturstein-Pflasterbelag und führt in einen Bereich mit Bänken, Blühstreifen und Ablagemöglichkeiten für Blumen und Kränze. Auf der hinteren Wandseite des Betonzylinders befinden sich, nebeneinander in einer Reihe angeordnet, sieben rechteckige Aussparungen in der Betonwand (ca. 40  × 40  cm). Sie bieten Platz für jeweils rund 20 massive Bronzeplatten.
Diese Platten – mit einem etwa 10  mm starken Rahmen eingefasst – sind vertikal auf Auszügen gelagert. Durch einen sanften Druck auf den Rücken gleiten sie heraus, vergleichbar mit dem Herausziehen eines Buches aus einem Regal.

In ihnen sind die Namen der Toten der Luftwaffe eingraviert und in der Reihenfolge nach den Anfangsbuchstaben der Nachnamen geordnet. Die Namen werden chronologisch eingetragen, die Jahreszahl wird fortlaufend rechts am Rand der Platte markiert. Für jeden Anfangsbuchstaben stehen mehrere Platten zur Verfügung, auf denen jeweils mehrere Namen Platz finden.

Die Geste des Zugriffs ist einfach, die Haptik und das Gewicht der Bronzeplatten sind körperlich spürbar – das Gedenken wird dadurch zu einem persönlichen und intensiven Moment. Die fein abgestimmte Integration des Archives in die Architektur schafft eine würdige und stille Atmosphäre – offen zugänglich und doch geschützt.